Am 12. und 13. November 2003 veranstaltete der Förderkreis Abgasnachbehandlung für Dieselmotoren e. V. in Dresden erstmalig eine Konferenz zum Thema „Herausforderung - Abgasnachbehandlung für Dieselmotoren“. Mehr als 160 Teilnehmer aus 8 Ländern waren angereist, um sich in 24 Vorträgen und einer begleitenden Fachausstellung über die aktuellsten Trends der Gesetzgebung, den Stand der Technik sowie über zukünftige Anforderungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Abgasnachbehandlung zu informieren.
Nachdem die Konferenz durch Prof. E. Bach, dem Vorstandsvorsitzenden des FAD e.V., eröffnet wurde, übermittelte der Rektor der HTW Dresden (FH) Prof. H. Neumann die Grußworte der Hochschulleitung.
In seinem Eröffnungsvortrag widmete sich Dr. G. Jain, BMU, dem Thema „Gesetzgebung zur Einführung der Abgasnachbehandlung bei Dieselmotoren“. Er stellte die Entwicklungen der Emissionen im Straßenverkehr, die Ziele aus Umweltsicht, die künftigen Schwerpunkte der Emissionsminderung sowie die Hintergründe und Grundlagen zur weiteren Verschärfung der Abgasgesetzgebung dar.
Dr. K.-P. Schindler, Volkswagen AG, gab in seinem Vortrag „Zukünftige gesetzliche Anforderungen der Abgasemissionen von Dieselfahrzeugen“ einen Überblick über die Emissionsgesetzgebung weltweit, die zukünftige Emissionsgesetzgebung in der EU und die Diskussion über die Partikel Gesetzgebung sowie über neue Partikelmessmethoden. Dabei machte er den Standpunkt der Industrie zu diesen Themen deutlich.
Richard Dorenkamp, Volkswagen AG, referierte zum Thema „Maßnahmen zur Emissionserfüllung bei Diesel-PKW“. Er ging dabei sowohl auf innermotorische Maßnahmen als auch auf die Potenziale der Abgasnachbehandlung ein.
Olivier Kunstmann, INERGY Automotive Systems, stellte unter der Überschrift „Fluid storage and distribution solutions for diesel emission control“ die Lösung für ein Smart Additive System vor, welches sich durch bessere Integrierbarkeit, Wartungs- und Bedienfreundlichkeit sowie Kostenreduzierung auszeichnet.
Emanuel Jean, Faurecia Exhaust Systems, bewertete in seinem Vortrag „Dieselpartikelfiltersysteme für PKW: Erfahrungen und Perspektiven“ Systeme mit Additiv und solche mit Beschichtung anhand verschiedener Kriterien wie Filtersubstrat, thermische Belastung der Systemkomponenten, Regeneration, Lebensdauer sowie Applikationsmöglichkeiten und Kosten.
Wolfgang Naschke, Rhodia Electronics & Catalysis, erläuterte in seinem Beitrag „Verbesserte Kraftstoff Additive - von der F & E zur Serienreife“ die Entwicklungsrichtung im Bereich der Additive am Beispiel der Einführung von Eolys TM 2.
Die zweite Sitzung des Tages begann mit dem Vortrag von Dr. P. Treiber, Emitec GmbH, „Zukunftsweisende Metallträgerkonzepte für die Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren - verbesserte Effektivität durch intensivere Nutzung der motorbedingten Strömungs- und Temperaturverhältnisse“. Er zeigte Weiterentwicklungspotenziale klassischer Metallträgerstrukturen durch neuartige Konstruktionsansätze mit optimaler Raumausnutzung für den Einsatz sowohl vor als auch nach der Abgasturbine eines Turboladers.
Dr. S. Ebener, Corning GmbH, stellte in seinem Vortrag „Keramische Diesel-Partikelfilter: Material - Design-Funktion“ das Filterprinzip eines keramischen Zellenfilters und die Zusammenhänge von Materialeigenschaften, Filterdesign und Funktion dar.
Jörg Adler, Fraunhofer Institut IKTS, präsentierte unter dem Titel „Dieselpartikelfilter aus Siliciumcarbid-Schaumkeramik“ Konzepte, Versuche und erste Testergebnisse, die das Potenzial der SiC-Schaumkeramik für Abgasnachbehandlungssysteme belegen.
Luc Bourgois, N.V. Bekaert S.A., stellte in seinem Vortrag.„Characterisation of Bekiporâ media and filter as diesel exhaust particulate filter“, Untersuchungsergebnisse vor, welche die gute Eignung von Bekaert-Filtermedien für die Dieselabgasfiltration zeigen.
Dr. H. Rembor, HUSS Umwelttechnik GmbH, erläuterte die „Anforderungen an ein robustes und nachrüstbares Permanentregenerationssystem für Off-Road-Anwendungen“, um unabhängig von Motormanagement und Abgastemperaturen je nach Lastverhalten immer die Rußoxidation sicher zu stellen.
In seinem Vortrag „Abgasnachbehandlung für Dieselmotoren - Konzepte und Strategien“ sprach Dr. G. Zikoridse, HTW Dresden (FH), über die, resultierend aus der Fortschreibung der Emissionsgrenzwerte, anstehenden Herausforderungen an hocheffiziente, funktionssichere und langlebige Partikelfilter- und DeNOx-Systeme.
Die erste Sitzung des zweiten Konferenztages eröffnete Dr. C. Görsmann, Johnson Matthey, mit seinem Beitrag „Katalytische Beschichtung zur Regeneration von Dieselpartikelfiltern“ Er legte dar, dass eine sichere Regeneration in allen Betriebspunkten die größte technische Herausforderung für Dieselpartikelfiltersysteme ist. In seinen Vortrag gab er einen Überblick über die unterschiedlichen Partikelfilterkonzepte.
Über „Motorenöle im Zielkonflikt zwischen motorischer Performance und geringer Kontamination von Abgasnachbehandlungssystemen“ referierte Volker Schuylenburg, Fuchs Europe Schmierstoffe GmbH. Es wurden die Auswirkungen der Abgasnachbehandlung auf das Medium Motorenöl am Beispiel Partikelfilter von der theoretischen und praktischen Seite beschrieben.
Im Beitrag von Kurt Engeljehringer, AVL List GmbH, „Messtechniklösungen für Partikel und gasförmige Komponenten in Hinsicht auf neue Dieselabgasnachbehandlungssysteme“ wurden die geänderten Anforderungen an die Partikelmesstechnik und die Messung von gasförmigen Komponenten dargestellt.
In seinen Ausführungen zum Thema „Upcoming requirements on the nonroad engine industry in the longterm international emission legislation matrix“ stellte Dr. H. Mayer, EUROMOT, dar, dass das langfristige gemeinsame internationale Ziel die Entwicklung einer optimierten und schlüssigen Emissionsregelung bezüglich Abgas und Lärm für jede Motorgröße und Anwendung sein muss.
Dr. V. Wilms, BG Bahnen, und Walter Chromy, Tiefbau BG, erläuterten in dem Gemeinschaftsvortrag „Beurteilung und Begrenzung der Exposition von Dieselmotoremissionen an Arbeitsplätzen“ das Konzept der TRGS 554 anhand von Beispielen aus dem Verladegeschäft und dem Tunnelbau. Insbesondere die aktuell in die TRGS 554 aufgenommen Hilfen und Erleichterungen zur Ermittlung der Expositionshöhe am Arbeitsplatz wurden erläutert.
Dr. H. Sönksen, Kali + Salz AG, beantwortete die Fragestellung „Sind Partikelfilter Stand der Technik bei der DME- Expositionsminderung unter Tage?“ mit einem klaren NEIN. Er berichtete aber auch über ein umfassendes Forschungsprogramm, bei dem unterschiedliche Systeme hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Eignung getestet und in einem begleitenden Messprogramm das erreichbare Minderungspotential bei den Partikelemissionen sowie der Einfluss auf die übrigen gasförmigen Komponenten untersucht wurde.
In seinen Ausführungen zu den „Erfahrungen mit PFS-Nachrüstung in der Schweiz“ sprach Andreas Mayer, TTM, über aufgetretene Schwierigkeiten sowie notwendige Voraussetzungen, um die Partikelfilter-Technologie bei Dieselmotoren beliebiger Bauart und jeden Alters als technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar zu realisieren.
Optimierungsmöglichkeiten und Entwicklungsziele für die erfolgreich in Serie eingesetzten SiC-Partikelfilter wurden von Dr. I. Gege, IBIDEN Fance S.A.S., in ihrem Referat „Dieselpartikel-Filtermaterialien - Innovation und Design“ aufgezeigt. Ein Entwicklungsschwerpunkt besteht derzeit in der Erhöhung des Speichervermögens für Asche.
Michael Bajohr, ETB GmbH, stellte die „Elektrische Regeneration für Partikelfilter“ als Alternative im Industriebereich, vor allem im Nachrüstsektor dar, wenn Kraftstoffe, Motoreigenschaften und Betriebsweisen dazu führen, dass katalytische Regenerationssysteme nicht dauerhaft funktionieren.
Willi Bernard, Greentop GmbH, referierte über „Erfahrungen eines Unternehmens im Dieselpartikelfilter-Nachrüstgeschäft“. Er beschrieb die derzeitige Situation auf dem Retrofit-Markt für Off-Road Fahrzeuge. Erfahrungen in der Nachrüstung von Partikelfiltern bei Straßenfahrzeugen liegen heute noch nicht vor, da ein solcher Markt bis dato nicht existiert.
Über Erfahrungen bei der „Integration von Partikelfiltersystemen im Off-Road-Bereich am Beispiel von Hydraulikbaggern“ berichtete Klaus Langendorf, Liebherr Hydraulikbagger GmbH. Viele Systeme erfüllen zwar die Auflage der Partikelfiltration, lassen aber meistens das Gesamtsystem Maschine und ihre Randbedingungen außer Acht.
In seinem Vortrag zum Thema „Möglichkeiten der Funktionalitätsprüfung von Abgasnachbehandlungssystemen für Dieselmotoren unter Berücksichtigung der Einsatzbedingungen“ wies Dr. G. Zikoridse, HTW Dresden (FH), darauf hin, dass für die Gewährleistung der Langzeitfunktionalität der Abgasnachbehandlungssysteme bei der Entwicklung neuer Technologien die Einsatzbedingungen und die Systemkombination Dieselmotor/Abgasnachbehandlung stärker berücksichtigt werden müssen.Abendveranstaltung
Nach einer Fahrt mit historischen Straßenbahnen durch das abendliche Dresden bildeten die gemütlichen Sandsteingewölbe des Schloss und Weinguts Wackerbarth den Rahmen für das Abendprogramm. Bei sächsischen Speisen und harmonierenden Weinen boten sich für die Konferenzteilnehmer weitere Möglichkeiten zum Gedankenaustausch.Bildergalerie
Ausstellung
Die konferenzbegleitende Ausstellung fand großes Interesse bei den Teilnehmern. So wurde jede Pause genutzt um sich über das Leistungsspektrum der ausstellenden Firmen zu informieren und Kontakte zu knüpfen.Bildergalerie
Aussteller:
Aaqius & Aaqius (Rhodia Electronics & Catalysis, INERGY Automotive Systems, Faurecia)
AVL Deutschland GmbH
Clemens GmbH
ETB GmbH
FAD e.V.
Fraunhofer Institut IKTS
Greentop GmbH
GRIMM Aerosol Technik GmbH & Co. KG
HJS Fahrzeugtechnik GmbH & Co. KG
HTW Dresden (FH)/ Forschungsinstitut Fahrzeugtechnik
HUSS Umwelttechnik GmbH
Kratzer Automation AG
N.V. Bekaert S.A.
NGK Europe GmbH
SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH
TU Bergakademie Freiberg Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik
Die außerordentlich positive Resonanz auf diese Veranstaltung ist für uns Anlass, am 10. und 11. November 2004 die 2. Konferenz „Herausforderung - Abgasnachbehandlung für Dieselmotoren“ durchzuführen. Der FAD e.V. würde sich freuen, wiederum eine große Teilnehmerzahl in Dresden begrüßen zu können.


